Dienstag, 6. Dezember 2016

6 ★ Ein Märchen Tannenbaum * a fairytail fyr


von H.C.Andersen


Draußen im Walde stand ein niedlicher kleiner Tannenbaum. Er hatte einen guten Platz; Sonne konnte er bekommen, Luft war genug da, und rings umher wuchsen viele größere Kameraden, sowohl Tannen als Fichten. Der kleine Tannenbaum wünschte aber so sehnlich, größer zu werden! Er achtete nicht der warmen Sonne und der frischen Luft, er kümmerte sich nicht um die Bauernkinder, die da umhergingen und plauderten, wenn sie herausgekommen waren, um Erdbeeren und Himbeeren zu sammeln. Oft kamen sie mit einem ganzen Topf voll und hatten Erdbeeren an einen Strohhalm gereiht; dann setzten sie sich neben den kleinen Tannenbaum und sagten: »Nein! wie niedlich klein ist der!« Das mochte der Baum gar nicht hören.



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Im folgenden Jahre war er um einen bedeutenden Ansatz größer und das Jahr darauf war er um noch einen länger; denn an den Tannenbäumen kann man immer an den vielen Ansätzen, die sie haben, sehen, wie viele Jahre sie gewachsen sind.

»O, wäre ich doch so ein großer Baum, wie die andern!« seufzte das kleine Bäumchen; »dann könnte ich meine Zweige so weit umher ausbreiten und mit der Krone in die weite Welt hinaus blicken! Die Vögel würden dann Nester in meinen Zweigen bauen, und wenn der Wind wehte, könnte ich so vornehm nicken, gerade wie die andern dort!«


http://seidenfein.blogspot.de/2014/12/2-kleine-gehakelte-tannen-diy-crochet.html



Er hatte gar keine Freude am Sonnenschein, an den Vögeln und an den rothen Wolken, die Morgens und Abends über ihn hin segelten.
War es dann Winter und der Schnee lag weiß und funkelnd rings umher, so kam häufig ein Hase angesprungen und setzte gerade über den kleinen Baum weg – o, das war ihm so ärgerlich! – Aber zwei Winter vergingen, und im dritten war das Bäumchen so groß, daß der Hase um dasselbe herumlaufen mußte. O! wachsen, wachsen, groß und alt werden: das ist doch das einzig Schöne in dieser Welt, dachte der Baum.

Im Herbste kamen immer Holzhauer und fällten einige der größten Bäume; das geschah jedes Jahr, und den jungen Tannenbaum, der nun ganz gut gewachsen war, schauerte dabei, denn die großen, prächtigen Bäume fielen mit Prasseln und Krachen zur Erde, die Zweige wurden ihnen abgehauen, die Bäume sahen ganz nackt, lang und schmal aus; sie waren fast nicht mehr zu erkennen. Aber dann wurden sie auf Wagen gelegt, und Pferde zogen sie davon, aus dem Walde hinaus.
Wo sollten sie hin? Was stand ihnen bevor?

Im Frühjahr, als die Schwalben und Störche kamen, fragte sie der Baum: »Wißt Ihr nicht, wohin sie geführt wurden? Seid Ihr ihnen nicht begegnet?«
Die Schwalben wußten nichts; aber der Storch sah nachdenklich aus, nickte mit dem Kopfe und sagte: »Ja, ich glaube wohl! Mir begegneten viele neue Schiffe, als ich aus Aegypten flog; auf den Schiffen waren prächtige Mastbäume; ich darf annehmen, daß sie es waren; sie hatten Tannen-Geruch; ich kann vielmals grüßen; ja! die prangen, die prangen!«

»O, wäre ich doch auch groß genug, um über das Meer hin fahren zu können! Wie ist denn eigentlich dieses Meer und wie sieht es aus?«
»Ja, das zu erklären, ist zu weitläufig,« sagte der Storch, und damit ging er fort.
»Freue Dich Deiner Jugend!« sagten die Sonnenstrahlen; »freue Dich Deines frischen Wachsthums, des jungen Lebens, das in Dir ist.«
Und der Wind küßte den Baum, und der Thau weinte Thränen über ihn; aber das verstand der Tannenbaum nicht.



 


Wenn es gegen die Weihnachtszeit ging, wurden ganz junge Bäume gefällt, Bäume, die oft nicht einmal so groß oder gleichen Alters mit diesem Tannenbaum waren, der weder Ruhe noch Rast hatte, sondern immer davon wollte. Diese jungen Bäume, und es waren grade die allerschönsten, behielten immer alle ihre Zweige; sie wurden auf Wagen gelegt, und Pferde zogen sie fort, aus dem Walde hinaus.

»Wohin sollen die?« fragte der Tannenbaum. »Sie sind nicht größer, als ich, vielmehr war einer da, der war viel kleiner! Weshalb behielten sie alle ihre Zweige? Wohin fahren sie?«
»Das wissen wir! das wissen wir!« zwitscherten die Sperlinge. »Unten in der Stadt haben wir in die Fenster gesehen! Wir wissen, wohin sie fahren! O, sie gelangen zur größten Pracht und Herrlichkeit, die man nur denken kann! Wir haben in die Fenster gesehen und haben wahrgenommen, daß sie mitten in der warmen Stube aufgepflanzt und mit den schönsten Sachen: vergoldeten Aepfeln, Honigkuchen, Spielzeug und vielen Hunderten von Lichtern geschmückt werden.«
»Und dann –?« fragte der Tannenbaum und bebte an allen Zweigen. »Und dann? Was geschieht dann?«


 


»Ja, mehr haben wir nicht gesehen! Das war unvergleichlich.« –
»Ob ich wohl auch bestimmt bin, diesen strahlenden Weg zu betreten?« jubelte der Tannenbaum. »Das ist noch besser, als über das Meer zu ziehen! Wie leide ich an Sehnsucht! Wäre es doch Weihnachten! Nun bin ich groß und ausgewachsen, wie die andern, die im vorigen Jahre weggeführt wurden! –

O, wäre ich erst auf dem Wagen! Ware ich doch erst in der warmen Stube mit aller Pracht und Herrlichkeit! Und dann –? Ja, dann kommt noch etwas Besseres, noch weit Schöneres, weshalb würden sie uns sonst so schmücken! Es muß noch etwas Größeres, noch etwas Herrlicheres kommen –! Aber was? O, ich leide! ich sehne mich, ich weiß selbst nicht, wie mir ist!«


»Freue Dich unser!« sagten Luft und Sonnenlicht; »freue Dich Deiner frischen Jugend im Freien!«
Aber er freute sich durchaus nicht und wuchs und wuchs; Winter und Sommer stand er grün; dunkelgrün stand er da; die Leute, die ihn sahen, sagten: »Das ist ein schöner Baum!« Und zur Weihnachtszeit wurde er vor Allen zuerst gefällt. Die Axt hieb tief durch das Mark;

der Baum fiel mit einem Seufzer zu Boden; er fühlte einen Schmerz, eine Ohnmacht; er konnte gar nicht an irgend ein Glück denken, er war betrübt, von der Heimath scheiden zu müssen, von dem Flecke, auf dem er emporgeschossen war; er wußte ja, daß er die lieben alten Kameraden, die kleinen Büsche und Blumen ringsumher nie mehr sehen würde, ja vielleicht nicht einmal die Vögel. Die Abreise war durchaus nicht angenehm.

Der Baum kam erst wieder zu sich selbst, als er, im Hofe mit andern Bäumen abgepackt, einen Mann sagen hörte: »Dieser hier ist prächtig Wir brauchen nur diesen!«
Nun kamen zwei Diener in vollem Putz und trugen den Tannenbaum in einen großen, schönen Saal. Ringsumher an den Wänden hingen Bilder, und neben dem Kachelofen standen große, chinesische Vasen mit Löwen auf den Deckeln; da gab es Schaukelstühle, seidene Sophas, große Tische voller Bilderbücher und Spielzeug für hundertmal hundert Thaler – wenigstens sagten das die Kinder.

Und der Tannenbaum wurde in ein großes mit Sand gefülltes Gefäß gestellt; aber Niemand konnte sehen, daß es ein Gefäß war, denn es wurde rund herum mit grünem Zeuge behängt und stand auf einem großen bunten Teppich, O, wie der Baum bebte! Was wird nun wohl vorgehen?


 

Sowohl die Diener als die Fräulein schmückten ihn. An seine Zweige hingen sie kleine Netze, ausgeschnitten aus farbigem Papier; jedes Netz war mit Zuckerwerk gefüllt; vergoldete Aepfel und Nüsse hingen herab, als wären sie festgewachsen und über hundert rothe, blaue und weiße Lichterchen wurden in den Zweigen – festgesteckt.

Puppen, die leibhaftig wie Menschen aussahen – der Baum hatte früher nie solche gesehen – schwebten im Grünen, und hoch oben auf der Spitze wurde ein Stern von Flitter-Gold befestigt; das war prächtig, ganz außerordentlich prächtig.
»Heut Abend,« sagten Alle, »heut Abend wird es strahlen!«


 



»O!« dachte der Baum, »wäre es doch Abend! Würden nur die Lichter bald angezündet! Und was dann wohl geschieht? Ob da wohl Bäume aus dem Walde kommen, mich zu sehen? Ob die Sperlinge gegen die Fensterscheiben stiegen? Ob ich hier festwachse und Winter und Sommer geschmückt stehen werde?«

Ja, er rieth nicht übel! aber er hatte ordentlich Borkenschmerzen vor lauter Sehnsucht, und Borkenschmerzen sind für einen Baum ebenso schlimm, wie Kopfschmerzen für uns Andere.
Nun wurden die Lichter angezündet. Welcher Glanz! Welche Pracht! Der Baum bebte dabei an allen Zweigen so, daß eins der Lichter das Grüne anbrannte; es sengte ordentlich.
»Gott bewahre uns!« schrieen die Fräulein und löschten es hastig aus.


Jetzt durfte der Baum nicht einmal mehr beben. O, das war ein Grauen! Ihm war so bange, etwas von seinem Schmuck zu verlieren; er war ganz betäubt von all' dem Glanze. – Und nun gingen beide Flügelthüren auf – und eine Menge Kinder stürzten herein, als wollten sie den ganzen Baum umwerfen; die älteren Leute kamen bedächtig nach. Die Kleinen standen ganz stumm – aber nur einen Augenblick, dann jubelten sie wieder, daß es nur so schallte, sie tanzten um den Baum herum, und ein Geschenk nach dem andern wurde abgepflückt.





»Was machen sie?« dachte der Baum. »Was soll geschehen?« Und die Lichter brannten bis dicht an die Zweige herunter, und je nachdem sie niederbrannten, wurden sie ausgelöscht, und dann erhielten die Kinder Erlaubnis;, den Baum zu plündern. O, sie stürzten auf ihn ein, daß es in allen Zweigen knackte; wäre er nicht mit der Spitze und mit dem Goldsterne an der Decke befestigt gewesen, so wäre er umgestürzt.





Die Kinder tanzten mit ihrem prächtigen Spielzeuge herum. Niemand sah nach dem Baume, ausgenommen das alte Kindermädchen, welches kam und zwischen die Zweige blickte, aber nur, um zu sehen, ob nicht noch eine Feige oder ein Apfel vergessen worden wäre.

»Eine Geschichte! Eine Geschichte!« riefen die Kinder und zogen einen kleinen dicken Mann zu dem Baume hin; und er setzte sich grade unter denselben, »denn da sind wir im Grünen,« sagte er, »und der Baum kann besondern Nutzen davon haben, zuzuhören!« Aber ich erzähle nur Eine Geschichte. Wollt Ihr die von Ivede-Avede oder die von Klumpe-Dumpe hören, der die Treppe hinunterfiel und doch zu Ehren kam und die Prinzessin erhielt?«

» Ivede-Avede!« schrieen Einige, » Klumpe-Dumpe!« schrieen Andere; das war ein Rufen und Schreien! Nur der Tannenbaum schwieg ganz still und dachte: »Komme ich gar nicht mit, werde ich nichts dabei zu thun haben?« Er war ja mit gewesen, hatte ja geleistet, was er sollte.
Und der Mann erzählte von Klumpe-Dumpe, welcher die Treppen herunterfiel und doch zu Ehren kam und die Prinzessin erhielt.

Und die Kinder klatschten in die Hände und riefen: »Erzähle! erzähle!« Sie wollten auch die Geschichte von Ivede-Avede hören, aber sie bekamen nur die von Klumpe-Dumpe. Der Tannenbaum stand ganz stumm und gedankenvoll: nie hatten die Vögel im Walde dergleichen erzählt. » Klumpe-Dumpe fiel die Treppen herunter und bekam doch die Prinzessin!

Ja, ja, so geht es in der Welt zu!« dachte der Tannenbaum und glaubte, daß es wahr sei, weil es ein so netter Mann war, der es erzählte. »Ja, ja! wer kann es wissen! Vielleicht falle ich auch die Treppe hinunter und bekomme eine Prinzessin.« Und er freute sich darauf, den nächsten Tag wieder mit Lichtern und Spielzeug, Gold und Früchten angeputzt zu werden.


 

»Morgen werde ich zittern!« dachte er, »Ich will mich recht aller meiner Herrlichkeit freuen. Morgen werde ich wieder die Geschichte von Klumpe-Dumpe und vielleicht auch die von Ivede-Avede hören.« Und der Baum stand die ganze Nacht still und gedankenvoll.

Am Morgen kamen die Diener und das Mädchen herein.
»Nun beginnt das Schmücken aufs Neue!« dachte der Baum. Aber sie schleppten ihn zum Zimmer hinaus, die Treppe hinauf auf den Boden, und hier, in einen dunkeln Winkel, wo kein Tageslicht hinschien, stellten sie ihn hin. »Was soll das bedeuten?« dachte der Baum.

 »Was soll ich hier wohl machen? Was mag ich hier wohl hören sollen?« Und er lehnte sich an die Mauer und dachte und dachte.– – Und er hatte Zeit genug; denn es vergingen Tage und Nächte: Niemand kam hinauf; und als endlich Jemand kam, so geschah es, um einige große Kasten in den Winkel zu stellen. Nun stand der Baum ganz versteckt; man mußte glauben, daß er völlig vergessen war.

»Jetzt ist es Winter draußen!« dachte der Baum. »Die Erde ist hart und mit Schnee bedeckt, die Menschen können mich jetzt nicht pflanzen! deshalb soll ich wohl bis zum Frühjahr hier im Schutze stehen! Wie wohl bedacht das ist! Wie die Menschen doch so gut sind! – Wäre es hier nur nicht so dunkel und so schrecklich einsam! – Nicht einmal ein kleiner Hase! –


Das war doch so niedlich da draußen im Walde, wenn der Schnee lag und der Hase vorübersprang; ja, selbst als er über mich hinwegsprang; aber damals konnte ich es nicht leiden. Hier oben ist es doch schrecklich einsam!

»Pip, pip!« sagte da eine kleine Maus und huschte hervor; und dann kam noch eine kleine. Sie beschnüffelten den Tannenbaum und dann schlüpften sie zwischen seine Zweige.
»Es ist eine gräuliche Kälte!« sagten die kleinen Mäuse. »Sonst ist es hier gut sein! Nicht wahr, Du alter Tannenbaum?«

»Ich bin gar nicht alt!« sagte der Tannenbaum; »es gibt viele, die weit älter sind, als ich!«
»Wo kommst Du her?« fragten die Mäuse, »und was weißt Du?« Sie waren gewaltig neugierig. »Erzähle uns doch von dem schönsten Orte auf Erden! Bist Du dort gewesen? Bist Du in der Speisekammer gewesen, wo Käse auf den Brettern liegen und Schinken unter der Decke hängen, wo man auf Talglicht tanzt, mager hinein geht und fett heraus kommt?«

»Das kenne ich nicht!« sagte der Baum. »Aber den Wald kenne ich, wo die Sonne scheint, und wo die Vögel singen!« Und dann erzählte er Alles aus seiner Jugend, und die kleinen Mäuse hatten früher dergleichen nie gehört und sie horchten auf und sagten: »Nein, wie viel Du gesehen hast! Wie glücklich Du gewesen bist!«

»Ich?« sagte der Tannenbaum und dachte über das, was er selbst erzählte, nach. »Ja, es waren im Grunde ganz fröhliche Zeiten!« – Aber dann erzählte er vom Weihnachtsabend, wo er mit Kuchen und Lichtern geschmückt war.
»O!« sagten die kleinen Mäuse, »wie glücklich Du gewesen bist, Du alter Tannenbaum!«
»Ich bin gar nicht alt!« sagte der Baum. »Erst diesen Winter bin ich vom Walde gekommen! Ich bin nur so im Wachsthum zurückgeblieben.«

»Wie schön Du erzählst!« sagten die kleinen Mäuse. Und in der nächsten Nacht kamen sie mit vier andern kleinen Mäusen, die den Baum erzählen hören sollten, und je mehr er erzählte, desto deutlicher erinnerte er sich selbst an Alles und dachte: »Es waren doch ganz fröhliche Zeiten! Aber sie können wiederkommen; Klumpe-Dumpe fiel die Treppe hinunter und erhielt doch die Prinzessin; vielleicht kann ich auch eine Prinzessin bekommen!« Und dann dachte der Tannenbaum an eine kleine niedliche Birke, die draußen im Walde wuchs; das war für den Tannenbaum eine wirkliche, schöne Prinzessin.

»Wer ist Klumpe-Dumpe?« fragten die kleinen Mäuse. Und dann erzählte der Tannenbaum das ganze Märchen; er konnte sich jedes einzelnen Wortes entsinnen, und die kleinen Mäuse waren nahe daran, aus reiner Freude bis an die Spitze des Baumes zu springen. In der folgenden Nacht kamen weit mehr Mäuse, und am Sonntage sogar zwei Ratten; aber die meinten, die Geschichte sei nicht hübsch, und das betrübte die kleinen Mäuse, denn nun hielten sie auch weniger davon.

»Wissen Sie nur die eine Geschichte?« fragten die Ratten.
»Nur die eine!« sagte der Baum; »die hörte ich an meinem glücklichsten Abend; damals dachte ich nicht daran, wie glücklich ich war.«
»Das ist eine höchst jämmerliche Geschichte! Wissen Sie keine von Speck oder Talglicht? Keine Speisekammer-Geschichte?«
»Nein!« sagte der Baum.
»Dann danken wir dafür!« erwiderten die Ratten und gingen zu den Ihrigen zurück.

Die kleinen Mäuse blieben zuletzt auch weg, und da seufzte der Baum: »Es war doch ganz hübsch, als sie um mich herum saßen, die beweglichen kleinen Mäuse, und zuhörten, wie ich erzählte! Nun ist auch das vorbei! – Aber ich werde daran denken, mich zu freuen, wenn man mich wieder hervorholt!«

Aber wann geschah das? – Ja! es war eines Morgens, da kamen Leute und wirthschafteten auf dem Boden; die Kasten wurden weggesetzt, der Baum wurde hervorgezogen; sie warfen ihn freilich ziemlich hart gegen den Fußboden, aber ein Diener schleppte ihn sogleich nach der Treppe hin, wo der Tag leuchtete.

»Nun beginnt das Leben wieder!« dachte der Baum; er fühlte die frische Luft, die ersten Sonnenstrahlen – und nun war er draußen im Hofe. Alles ging so geschwind; der Baum vergaß völlig, sich selbst zu betrachten; da war so vieles ringsumher zu sehen. Der Hof stieß an einen Garten, und Alles blühte darin; die Rosen hingen so frisch und duftend über das kleine Gitter hinaus, die Lindenbäume blühten, und die Schwalben flogen umher und sagten: »Quirre-virre-vit, mein Mann ist kommen!« aber es war nicht der Tannenbaum, den sie meinten.

»Nun werde ich leben!« jubelte dieser und breitete seine Zweige weit aus: aber ach, sie waren alle vertrocknet und gelb; und er lag da im Winkel zwischen Unkraut und Nesseln. Der Stern von Goldpapier saß noch oben an der Spitze und glänzte im hellen Sonnenschein.
Im Hofe selbst spielten einige von den muntern Kindern, die zur Weihnachtszeit den Baum umtanzt hatten und so fröhlich über ihn gewesen waren. Eins der kleinsten lief hin und riß den Goldstern ab.

»Sieh, was da noch an dem häßlichen, alten Tannenbaum sitzt!« sagte es und trat auf die Zweige, sodaß sie unter seinen Stiefeln knackten. Und der Baum sah auf all' die Blumenpracht und Frische im Garten; er betrachtete sich selbst und wünschte, daß er in seinem dunkeln Winkel auf dem Boden liegen geblieben wäre; er gedachte seiner frischen Jugend im Walde, des lustigen Weihnachtsabends und der kleinen Mäuse, die so munter die Geschichte von Klumpe-Dumpe angehört hatten.
»Vorbei! Vorbei!« sagte der alte Baum. »Hätte ich mich doch gefreut, als ich es noch konnte! Vorbei! Vorbei!«



Und der Knecht kam und hieb den Baum in kleine Stücke; ein ganzes Bündel lag da; hell flackerte es auf unter dem großen Braukessel; und er seufzte tief und jeder Seufzer war einem kleinen Schusse gleich; deshalb liefen die Kinder, die da spielten, herbei und setzten sich vor das Feuer, blickten in dasselbe hinein und riefen: »Pfiff! Pfiff!«

Aber bei jedem Knalle, der ein tiefer Seufzer war, dachte der Baum an einen Sommertag im Walde, oder an eine Winternacht da draußen, wenn die Sterne funkelten; er dachte an den Weihnachtsabend und an Klumpe-Dumpe, das einzige Märchen, welches er gehört hatte und zu erzählen wußte, und dann war der Baum verbrannt.

Die Knaben spielten im Garten, und der kleinste hatte den Goldstern auf der Brust, den der Baum an seinem glücklichsten Abend getragen; und nun war der vorbei, und mit dem Baum war es vorbei und mit der Geschichte auch; vorbei, vorbei – und so geht es mit allen Geschichten!





Ich wünsche Euch einen schönen Abend !
Eure Eva


Montag, 5. Dezember 2016

5. Dez ★ Mandel - Zimtsterne ★ Almond - cinnamon stars

Wenn ich am Vormittag richtig viel zu tun hatte, freue ich mich auf einen ruhigen Nachmittag - dann kann ich vielleicht etwas Weihnachtsmusik hören, einen schönen Kaffee trinken und ein paar Kekse backen. Das ist für mich reine Entspannung.





 Zimtsterne liebe ich einfach - ich habe ein altes Rezept, daß ich immer etwas abwandle - und das schmeckt so viel besser als alle gekauften Kekse. Da ja gern Haselnüsse verwendet werden, und ich die nicht essen kann, freue ich mich besonders auf meine Mandelkekse. Weihnachten ohne Zimtsterne ist für mich wie Weihnachten ohne Schnee.




 Hier das Rezept:

★ Seidenfeins Mandel - Zimtsterne ★

Zutaten:
500g gemahlene Mandeln (auch mit Schale gemahlen ist in Ordnung )
5 Eiweiße vom extrem fröhlichen Hühnern
450g Puderzucker
2 Teelöfffel gemahlener Zimt
1 Eßöffel Mandellikör


Eiweiße zu sehr festem Schnee schlagen, den gesiebten Puderzucker sehr sorgfältig unterrühren.
1-2 Tassen der Eischnee-Zuckermasse abnehmen, abdecken und beiseite stellen (ggf. auch kühl aufbewahren bis sie gebraucht wird ).

Die Mandeln, Zimt und Mandellikör unter den restlichen Eischnee mischen, und im Anschluß alles schnell miteinander verkneten. Den Teig zugedeckt mindestens 1 Stunde - besser über Nacht - im Kühlschrank oder vor der Haustür kaltstellen. Im Anschluß

die Arbeitsfläche mit Puderzucker bestreuen und den Teig ca 8mm bis 1cm dick ausrollen.
Die Sterne ausstechen. Nun ein Backblech mit Backpapier belegen. Die ausgestochenen Sterne mit der Zuckermasse gleichmäßig bestreichen. Auf das Backpapier legen und über Nacht bei Zimmertemperatur antrocknen lassen. 






Den Backofen auf 160°C / 150°C Umluft vorheizen, und die Zimtsterne im Ofen ca 8 Minuten backen. Die sterne sollen innen noch weich sein, die Zuckerkruste aber bereits trocken. 
Gut aufpassen, daß die Sterne nicht zu lange im Ofen bleiben, dann wird die schöne Zuckerschicht gelblich - und das sieht nicht so hübsch aus.


Die Zimtsterne sind übrigens ein gern gesehenes Mitbringsel !




Macht es Euch schön gemütlich !
Eure Eva





Sonntag, 4. Dezember 2016

4. Dez ★ Julehjerter ★ DIY ★ danish christmas woven hearts



Julehjerter

.. sind eine schöne dänische Weihnachtstradition, und wenn man so wie wir auch einmal im Winter Dänemarkurlaub gemacht hat, dann begegnen einem die schönen weiß-roten Herzen überall. Klassisch werden die Herzen aus rotem und weißem Glanzpapier geflochten. 

Die Herzen gibt es auch doppellagig als kleine Taschen, dann können sie mit kleinen Süßigkeiten gefüllt an den Weihnachtsbaum gehängt werden. 

Das erste Weihnachtsherz wurde angeblich von H.C. Andersen in den 1850er geflochten. Inzwischen sind die Herzen in Dänemark so beliebt, daß es sogar ein  Julehjerter Museum in den Kulturhulen, Hovedgaden 58c, 3220 Tisvilde gibt.




Meine Herzen sind ganz einfach und nicht traditionell, sind aber schnell hergestellt und sehen ohne große Mühe wirklich hübsch aus - mir gefällts - und Euch hoffentlich auch !





Man braucht: 

Rotes und weißes Papier,
eine Schablone wie unten gezeigt, eine Schere, Schnur und Papierkleber




Natürlich gehen auch andere Maße, Grundlage ist aber immer ein Quadrat, an das ein Halbkreis anschließt. Das Quadrat kann in beliebig viele Streifen unterteilt werden.

Für ein Herz braucht man also 2 dieser Halbkreis-Kämme die ineinander verflochten werden.  
Die Enden  habe ich jeweils mit etwas Klebstoff eingestrichen, damit die Herzen nicht verrutschen.
Die Herzen zum Aufhängen entweder lochen oder eine Schlaufe auf die Rückseite kleben.












Dieses Jahr kommt überall das rot-weiße Bakers twine zum Einsatz. Hier natürlich auch:






 Ach schön !

Ich wünsche Euch einen schönen 2.Advent !
Eure Eva




Samstag, 3. Dezember 2016

3. Dez ★ heißer Schokopunsch mit Zuckerstange ★ hot candy cane christmas chocolate




Wenn es draußen so richtig schön knackig kalt ist, der Frost die Dächer weißt, die Blätter eine feine
Frostschicht haben und die Sonne vom knallblauen Himmel scheint ....


... dann ist es draußen so richtig schön. Warm eingewickelt mit Schal und Mantel geht es raus. Ein
bischen auf der Treppe sitzen und den Vögeln beim Futter räubern zuschauen. Richtig klasse finde
ich dann einen heißen Kakao. Der wärmt nicht nur die Finger sondern mich einmal komplett durch.




Nur Kakao ist schon mal schön. Kakao mit Sahne, Grand Marnier und einer Zuckerstange ist
Weihnacht !






Hier für Euch mein 3. Kalendertürchen:

Hot & spiced candy cane christmas chocolate
 

250ml Milch
2 Eßlöffel löslicher Kakao
1 Schnapsglas Grand Manier

Schlagsahne

1 großer Eßlöffel brauner Zucker, vermischt mit:
1 Messerspitze Nelkenpulver
1/4 Teelöffel Zimtpulver
1/4 Teelöffel grüner gemahlener Kardamom

Hagelzucker
1 Zuckerstange







Milch erhitzen, 2 Eßlöffel löslichem Kakaopulver und Grand Manier zugeben,
in ein hitzefestes Glas gießen. Geschlagene Sahne drüber sprühen 
- dafür liebe ich meinen Sahnesiphon...

Zucker-Gewürzmischung drüberstreuen, und noch ein paar Hagelzuckerkörner.
Die Zuckerstange ins Glas hängen - das gibt einen tollen leichten Minz-Geschmack !







Macht es Euch schön !

Eure Eva

Freitag, 2. Dezember 2016

2. Dez ★ Schneeflocken mit Anleitung * crocheting snowflakes with tutorial !





Na - habt Ihr noch Zeit abends gemütlich auf dem Sofa zu sitzen, einen schönen Tee trinkend mit der Häkelnadel im Anschlag ? Dann habe ich eine schöne Schneeflocke zum Nachhäkeln für Euch !







Die kleine schöne sieht komplizierter aus als sie ist. Wenn man feste Maschen, Kettmaschen, Luftmaschen, halbe Stäbchen und Doppelstäbchen hinbekommt, sollte die Schneeflocke kein Problem sein.

Hier sind alle klar im Vorteil, die nicht so locker häkeln wie ich, denn dann sieht die Schneeflocke noch filigraner aus als meine - aber ehrlich - ich habe mir wirklich Mühe gegeben, und doch ist sie recht ... sagen wir mal "locker" geworden. Sicher ist auch meine Lieblingshäkelnadel schuld, denn bei dem eher dünnen 3,5er Baumwollgarn - nicht mercerisiert/glasiert - sollte ich lieber mit einer 3er Nadel häkeln. Will ich aber nicht, denn meine Lieblingsnadel mit dem tollen Griff ist eine 3,5er.





Egal - jeder wie er mag - und darum hier das Tutorial - an der Häkelschrift zeichne ich noch, nachdem sich mein Häkel-Zeichenprogramm als überaus ungeeinget erwiesen hat. Grrrrr


Begonnen wird mit einem Fadenring, in den häkelt Ihr 12 halbe Stäbchen




den Fadenring zusammenziehen und die Runde mit einer Kettmasche schließen.




 
Es wird jede Masche der Vorrunde behäkelt: 2 Luftmasche ersetzern das erste halbe Stäbchen, 1 Stäbchen, * 3 Luftmaschen, 2 halbe Stäbchen * von * bis * so lange wiederholen bis .... 


 .... bis diese Runde mit einer Kettmasche geschlossen werden kann.
3 Luftmaschen ersetzen das 1.Stäbchen - 2 Stäbchen häkeln,
in die nächste Masche kommt [ 1 Doppelstäbchen - 4 Luftmaschen - 1 Doppelstäbchen ] nun wieder
*3 Stäbchen - in die nächste Masche:  [ 1 Doppelstäbchen - 4 Luftmaschen - 1 Doppelstäbchen ]*
* von * bis * so lange wiederholen bis .... 






.. bis auch diese Runde mit einer Kettmasche geschlossen wird. 

2 Luftmaschen ersetzen das erste halbe Stäbchen. 2 halbe Stäbchen, ein 5erPicot (siehe unten )

in die 4 Luftmaschen des Maschenbogens kommen:
*1 halbes Stäbchen, 1 Doppeltes Stäbchen, nun folgt ein Kleeblatt ( Erklärung siehe unten),








1 Doppeltes Stäbchen, 1 halbes Stäbchen, ein 5erPicot, 4 feste Maschen*

* von * bis * so lange wiederholen  .... bis diese letzte Runde wieder mit einer Kettmasche geschlossen werden kann.






Fertig ! Gratulation, Tusch, Konfetti. Jetzt könnt Ihr noch ganz viel üben und ratz fatz habt Ihr ein kleines Schneegestöber im Fenster hängen. Als einzelne Flocken oder als Girlande. Weil ich gegen die Dämmerung an-fotografiert bzw. an-gehäkelt habe, kann ich Euch davon noch keine Bilder zeigen. Aber inzwischen kann ich sie nachreichen ...






gestärkt ist die Schneeflocke hart wie ein Brett und läßt sich super aufhängen




❄ ❅ ❆


Beschreibung : 5erPicot ,  6erPicot ,  Kleeblatt


5er Picot:
5 Luftmaschen häkeln, die letzte Schlaufe mit einer Kettmasche in die erste Luftmasche zu einem Picot schließen

6er Picot: wie vor, jedoch mit 6 Luftmaschen

Kleeblatt :
5er Picot häkeln, 6er Picot häkeln - dabei die Kettmasche in die gleiche Masche wie das 5er Picot verwenden, noch ein 5er Picot, wieder die gleiche Masche für die Kettmasche benutzen



❄ ❅ ❆

Finish:

Fäden vernähen ...







Und damit die Sterne richtig hübsch werden, und gut aufgehängt werden können mit Sprühstärke einsprühen, oder klassische mit Stärkewasser tränken, ausdrücken, vortrocknen
in Form ziehen und plätten....



dann werden die Schneeflocken bretthart und lassen sich super aufhängen


 .. und falls sich ein Fehler eingeschlichen hat : Tschuldigung, und bitte kurze Info an mich, damit ich es korrigieren kann und sich nicht alle nachfolgenden Häkler über den gleichen Fehler wundern müssen....


Macht es Euch schön !
Eure Eva